Schlagwort: Virtuelle Literaturwoche Donau 2020

Virtuelle Literaturwoche Donau 2020. Hubert Flattinger: Mrs. O’Hara sagt Gute Nacht

I see something of myself
in everyone.
Joni Mitchell, Hejira

Im Bett mit Mrs. O’Hara

„Peggy O’Hara war Irin, etwas über fünfzig, blassgesichtig, zart, dennoch von drahtiger Energie, wenn es darauf ankam. Als Zimmerwirtin des Anise House duftete sie so, wie es der Name ihrer kleinen Bed-and-Breakfast-Pension versprach, nach dem Gewürz, mit dem sie ihre Kekse buk. Wenn ich Mrs. O’Hara bei ihren Unternehmungen begleitete, um zuzusehen, wie sie verbotene Dinge tat, fühlte ich mich wieder wie ein Kind. Und das war schön.“

In Irland wisse man mit Gespenstern umzugehen, wurde ihm im Reisebüro versprochen. Und eben dort auf der grünen Insel macht der blasse Reisende Bekanntschaften, die sein Leben verändern. Da ist das Piratenmädchen aus Strandhill, die dem Touristen aus Oistaraik erst einmal Manieren beibringt. Da ist Ned Stoney, halb Junge, halb Greis, der wie kein anderer von Amerika – dem Land der unerschöpflichen Murmeln und Kartoffeln – zu schwärmen weiß. Und nicht zuletzt findet sich Mrs. O’Hara, die mit Toten spricht und besonders gut mit Geistern kann …

Ein Mann ist sich verloren gegangen und sucht in Gesichtern und Geschichten sein Selbst. Es sind die Sehnsüchte und Gedanken der anderen, die ihn wieder zurück ins eigene Leben führen; es geht um Vertrauen und Zärtlichkeit, um Hautkontakt, Wahrhaftigkeit und Liebe.

„(…)„Ich möchte dich zeichnen. Als Akt, oder meinetwegen als Halbakt. Bin auch mit einem Porträt zufrieden.“
„Was willst du mit dem Bild eines zerrupften alten Besens? Mit siebzehn hättest du mich zeichnen müssen! Da hätte ich noch etwas dargestellt! Mit siebzehn ist immer schönes Wetter im Spiegel.“
„Wenns nur das ist. Ich habe dich die letzten Tage studiert, kenne mich inzwischen in deinem Gesicht besser aus als in meinem eigenen. Ja, ich könnte dich zeichnen, wie du mit siebzehn ausgesehen hast. Das würde ich hinkriegen.“
„Oh, das würdest du, Boy. Das traue ich dir zu. Aber ich bin müde. Mir wäre lieber, du würdest mir ein Märchen aus deiner Heimat erzählen. Oder besser, erzähle mir nochmal von der kleinen Piratengöre, die dich in Irland willkommen geheißen hat.“

> LESEPROBE

Mister Hitchcocks Waxfigurenkopf spielt in Hubert Flattingers neuem Buch „Mrs. O’Hara sagt Gute Nacht“ (Limbus Verlag) eine besondere Rolle …

Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck, hat im Limbus Verlag bereits mehrere Bücher herausgebracht und dabei auch seine zweite Begabung, die Bildende Kunst, einbringen können. Nach mehreren Exkursionen u. a. als Altenbetreuer, Pflasterstein-Maler, Tierpfleger, Grafiker und Werbeleiter einer Computerfirma fand er schließlich als Journalist jenes Aufgabengebiet, dem er sich am liebsten widmet – dem Menschen nämlich, der ihm gerade gegenübersitzt. Er schreibt Kinder- und Jugendbücher, Theaterstücke und Geschichten für ältere Semester. Bücher (Auszug): Liftboy (2004), Der größte Fisch entwischt (2015) und Als ich Lord Winter war (2017).

 

Foto: Flattinger

Eine Kurzvorstellung des Buches findet man auch bei > Sätze & Schätze!

 

Hubert Flattinger
Mrs. O’Hara sagt Gute Nacht
Limbus 2020
112 Seiten, Gebunden mit Lesebändchen, € 15,– [A]/[D]
ISBN 978-3-99039-168-6

www.limbusverlag.at

 

Virtuelle Literaturwoche Donau 2020: Bernd Schuchter erzählt die Geschichte des Richard Kola

„Schuchter hat mit seinem Buch vor allem das keinesfalls idyllische Bild einer Zeit kurz nach dem Zusammenbruch des Habsburger Reichs vorgelegt: Die Inflation, die Millionen zerrinnen ließ, die Vergnügungssucht der Massen, die Not in den Städten und der Aufstieg und Fall von windigen Spekulanten. (…) Schuchter gelingt es mit diesem Buch, ein wichtiges Kapitel der österreichischen Literaturgeschichte wieder öffentlich bekannt zu machen und eine Zeit der rasanten Umbrüche zu porträtieren. Er karikiert aber auch zugleich den Literaturbetrieb und das Sepekulantentum, die sich so wenig geändert haben.“
Literaturhaus Wien, S. Speibel

www.fotoruth.at

Bernd Schuchter: Rikolas letzter Auftritt

Bernd Schuchter Schuchter schätzt übersehene und vergessene historische Figuren für seine Romane – und so fand er in Richard Kola eine Figur, an der sich heutige Tendenzen des Literaturbetriebs ebenso aufzeigen lassen wie damalige Eitelkeiten und Gepflogenheiten, die, wenn man sich nicht an diese hielt, schnell zum Sturz aus dem Literaturolymp führen konnten. Weiterlesen

Virtuelle Literaturwoche Donau 2020: Die Reihe Limbus Preziosen

Die Lust an der Entdeckung unbekannter Klassiker


Preziosen sind Kostbarkeiten, etwas Wertvolles und Besonderes, das es zu entdecken gilt.

Wie sich ein Verlag jenseits ausgetretener Pfade um die Literatur verdient macht, zeigt die Reihe „Limbus Preziosen“

In der Reihe Limbus Preziosen erscheint besondere Literatur in ansprechender Ausstattung mit individuellem Buchschmuck; eine Hommage an die leidenschaftliche Buchgestaltung der Gründerzeitverlage, natürlich mit Lesebändchen. Das kaschierte Umschlagschildchen ist – ohne sich vergleichen zu wollen – eine Hommage an die berühmte Insel Bücherei. Weiterlesen

Virtuelle Literaturwoche Donau 2020. Lesung Walle Sayer, Teil 2

„In Walle Sayers Gedichten begegnen wir einer Welt, die noch in ihrer Erdenschwere etwas Lichtes und Schwebendes besitzt, und die für Augenblicke von allem Werkeln und Machen erlöst ist. Mitten am hellichten Tag darf sie von sich selbst ausruhen und zu einem Stillstand gelangen, bei dem uns nur die leise Frage umtreibt, ob nicht viel mehr die Dinge uns als wir die Dinge ansehen.“
Karl Heinz Ott über Walle Sayers Miniaturen

 

Wir freuen uns, daß Walle Sayer uns einige seiner herrlichen Texte zum Lesen zur Verfügung gestellt hat. Die „Lesung“ also ist nun Ihnen überlassen, lieber Leser!

Seine Bücher findet man > HIER
Und > HIER kann man ihn erleben in „Lesenswert“ mit Denis Scheck

Prosagedichte von Walle Sayer

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Virtuelle Literaturwoche Donau 2020. Lesung Walle Sayer, Teil 1

„In Walle Sayers Gedichten begegnen wir einer Welt, die noch in ihrer Erdenschwere etwas Lichtes und Schwebendes besitzt, und die für Augenblicke von allem Werkeln und Machen erlöst ist. Mitten am hellichten Tag darf sie von sich selbst ausruhen und zu einem Stillstand gelangen, bei dem uns nur die leise Frage umtreibt, ob nicht viel mehr die Dinge uns als wir die Dinge ansehen.“
Karl Heinz Ott über Walle Sayers Miniaturen

 

Wir freuen uns, daß Walle Sayer uns einige seiner herrlichen Texte zum Lesen zur Verfügung gestellt hat. Die „Lesung“ also ist nun Ihnen überlassen, lieber Leser!

Seine Bücher findet man > HIER
Und > HIER kann man ihn erleben in „Lesenswert“ mit Denis Scheck

Prosagedichte von Walle Sayer

 

TON

Es sehen,
was nicht hörbar ist,
Nachhall des Nachhalls
vom Zusammenläuten, das einst
nur zu vernehmen war als Gebimmel
im Weitab dieses Wiesengrundstückes
und seines ächzenden Schuppens,
der ohne Genehmigung hingestellt wurde
und ohne Genehmigung zerfällt,
Grundakkord einer Abendstimmung,
die sich da verkünstelt
mit der Bachstelze
auf dem Rücken
eines Schafs.

 

NICHTS, NUR

Nichts, nur der Vollmond, der sich spiegelt im ruhigen Wasser, ein an den See entrichteter Obolus der Nacht. Nichts, nur ein paar Raben, Funktionäre der Farbe Schwarz, hocken im Geäst, zerkrächzen die Sicht. Nichts, nur die Runde am Nebentisch, Schaumkronen setzen sie sich auf, erlassen ihre Edikte, danken ab. Nichts, nur: diese Tonfolge, dieser Auftakt.

 

MUSIKWALD

Das Tonholz für die Resonanzböden stamme von ausgesuchten Rot-fichten, zweihundert Jahre alten Baumriesen, die ab einer Höhe von fünfzehnhundert Metern wachsen und bei abnehmendem Mond gefällt werden. Die reinen Schallschwingungen haben mit den regelmäßig ge-wachsenen Jahresringen zu tun, sieben bis zehn pro Zentimeter nur, eine solch feine und enge Faser. Und während sie das flüstert, nah an mein Ohr gebeugt, verlaufen sich Pilzsucher und Beerensammler in den Parametern eines vergangenen Jahrhunderts, tritt ein pathetischer Hirsch auf eine Lichtung hinaus, ragt zwischen Blattwerk und Lichtrissen die Oktave eines hohen Felsvorsprungs als Vogeltränke hervor, wächst symphonisch langsam, Schattenspiel und Echo, ein entfernter Schlupf-winkel zu.

 

SCHWEBE

Seinsmüde Schwere, die sich hinlegen möchte auf ein Bärenfell, die Arme hängen an dir herunter als geknickte Flügel, ein jeder Laternenpfahl rempelt dich an: in diesem Morgenpräludium, verzerrt vom Altglascontainer herüber, ein atonales Geklimper im Halbschlaf, zerdepperte Flaschenakkorde, Braunglas, Grünglas, eine jede einzeln, Pathos des Unpathetischen, bis eine Streichergruppe einsetzen müßte, Kirchenglocken, Nebelgebell, ein Regensopran.

 

Weitere Texte von Walle Sayer veröffentlichen wir am 22. 4. 2020 auf dieser Website sowie auf unseren Facebook-Präsenzen > HIER

Virtuelle Literaturwoche Donau 2020. Vier Fragen an Walle Sayer

„Der Dichter Walle Sayer braucht nur wenige Wörter, um in das Zentrum unserer Existenz zu gelangen. Er gehört zur rar gewordenen Zunft der Poeten, die das Weglassen dem Ausschmücken vorziehen. (…) Er bewahrt sich die zentrale Eigenschaft, die für das Schreiben (…) unerlässlich ist: die Fähigkeit zum Staunen, jenen innigen Blick auf die Dinge, der unser Alltagsuniversum so ausleuchtet, als sähe man all diese Gegenstände zum ersten Mal.“

Alles wie beim ersten Mal sehen

So lobte der SWR Walle Sayer und machte mit dem neuesten Band „Mitbringsel“ einmal mehr eines seiner Bücher zum „Buch der Woche“. Aber ist Walle Sayer „nur“ ein Lyriker? Sind seine zwar in der Form kurzen, im Inhalt aber schier grenzenlosen Miniatren oder, wie er selbst es so treffend nennt, „Feinarbeiten“ nicht etwas, das einen ganz eigenen Gattungsbegriff bräuchte? -Wenn es diesen nicht mit „Feinarbeiten“ schon längst hat-?

Der Beschäftigungstherapeut verordnet Nichtstun (Auszug)

Also wiegt man
Schneeflocken ab,
schöpft Wasser mit dem Sieb,
entrümpelt eine ausgeräumte Wohnung (…)
Aus: Walle Sayer, „Mitbringsel“.

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Virtuelle Literaturwoche Donau 2020. Lesung Ivna Zic: „Die Nachkommende“

Ivna Žic schickt in ihrem faszinierenden Romandebüt „Die Nachkommende“ eine junge Frau auf Identitätssuche nach Zagreb. Sie denkt an den Mann, mit dem sie ein Jahr lang eine Beziehung führte, die nie wirklich anfangen konnte: Der Mann ist ein verheirateter Mann. Ein Maler, der nicht mehr malt. In den fahrenden Zug setzt sich der tote Großvater zu ihr. Auch er ein Maler, auch er hatte aufgehört zu malen …

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Eröffnung der (virtuellen) Literaturwoche Donau 2020 mit Raoul Schrott und einer Geschichte des Windes …

Eröffnung der (virtuellen) Literaturwoche Donau 2020
mit Raoul Schrott und einer Geschichte des Windes …

„Wie grausig war da der erste wirkliche Sturm! Es war unbeschreiblich: der Himmel selbst bei Tage dunkel und so nieder, als käme er auf uns herab, der schwere Druck überall die Luft herausstossend, dass es war, als führen wir mit dem Bug an eine Wand, die Arme Gottes unser Heck dagegen schiebend, ein Tohuwabohu wie am Anfang der Schöpfung, als Jahwes Atmen über den Wellen lag.“

Die Gewürzinseln! Für heutige Menschen klingt das wie Poesie. Weiterlesen

Literaturwoche Donau 2020 – virtuell

Heute hätte die Literaturwoche Donau 2020 begonnen und wäre mit fabelhaften Gästen in ihre achte Auflage gegangen … aber es kam anders, wir wissen es. Anstatt nun den Abenden nachzutrauern, möchten wir gerne ein wenig vom geplanten Programm mit euch teilen und euch in den kommenden Tagen Literaturhäppchen servieren – Leseauszüge, Interviews und Infos rund um die Bücher und Autoren, die wir vom 17. bis 25. April 2020 nach Ulm eingeladen hätten.

Los geht es heute Abend mit Raoul Schrott. Mit ihm und seinem fabelhaft-barocken Abenteuerroman „Eine Geschichte des Windes – oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal“. Stürme, Schiffbruch, Kannibalen: die abenteuerliche Geschichte eines Weltumseglers, die niemand so erzählen kann wie Raoul Schrott!

Weitere Programmpunkte:

Ivna Zic: Die Nachkommende
Thomas Meyer: Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin
Thomas Stangl: Die Geschichte des Körpers. Erzählungen
Hubert Flattinger: Mrs. O’Hara sagt Gute Nacht
Michael Lichtwarck-Aschoff: Der Sohn des Sauschneiders oder ob der Mensch verbesserlich ist. Roman
Walle Sayer: Mitbringsel
Bernd Schuchter: Rikolas letzter Auftritt. Roman
… und mehr.

 

 

 

Verschoben: Literaturwoche Donau 2020

Abgesagt? Verschoben!
Literaturwoche Donau 2020

 

Liebe Freunde der Literatur,

so schmerzhaft es ist – das für die Zeit vom 17. bis 25. April 2020 geplante Literaturfestival „Literaturwoche Donau“, das unter anderem mit dem Musikfestival für Neue Musik „KlangHaus“ kooperiert, muss ins Jahr 2021 verlegt werden. Das Risiko, dass die Zulässigkeit von Veranstaltungen aufgrund der noch unabsehbaren Effekte der Corona-Epidemie zum geplanten Festivalbeginn weiter verschärft werden, ist sehr hoch. Als Veranstalter müssen wir gewährleisten, dass die beteiligten Künstler wie auch Gäste in ihrer Gesundheit keinem Risiko ausgesetzt werden.
Zudem ist anzunehmen, daß eine Reihe von auswärtigen Gästen aufgrund von Reiseeinschränkungen für Risiko­gebiete nicht zum Festival kommen können.

Ein neuer Termin für unser Festival der unabhängigen Literatur werden wir im Frühsommer 2020 bekannt geben.

Wir möchten zugleich auf unseren ‚Bücherfrühling‘ auf dem Blog des „Literatursalon Donau“ verweisen: Hier werden wir ab 17. 4. ausgesuchte Literatur, die wir bei der „Literaturwoche Donau 2020“ vorgestellt hätten, ausführlich besprechen und um Interviews mit den Autoren*innen ergänzen: literatursalon.net/virtuelle-liwo2020

Mit besten Grüßen
Florian L. Arnold
Rasmus Schöll
(Festivalleitung)

literatursalon.net

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